|
Unter dem Begriff "Biomineralisation" versteht man im weitesten Sinne
den durch einen Organismus kontrollierten Aufbau anorganischen Materials
und dessen Formgebung. Diese vergleichsweise harten Biomineralien übernehmen
meist eine Stütz- oder Schutzfunktion für das weichere organische
Material. Beispiele dafür finden sich in nahezu allen Lebensformen:
So bestehen die Zähne und das Endoskelett hochentwickelter Wirbeltiere
aus Kalziumphosphatverbindungen, während niedere Organismen wie Muscheln
oder Algen zum Aufbau ihrer Schalen Kalziumcarbonat bzw. Siliziumdioxid
verwenden. Die von ihnen gebildeten Biomineralien bestechen durch ihre
herausragenden Materialeigenschaften. Die industrielle Synthese ähnlicher
Stoffe ist mit heutigen Mitteln meist noch nicht oder nur unter großem
Energieaufwand möglich. Bevor bio-inspirierte Produkte erfolgreich
entwickelt werden können, müssen die in der Natur ablaufenden
Vorgänge und Grundlagen verstanden sein.
|
 |
|
Kieselalgen (Diatomeen) sind einzellige, Photosynthese betreibende, eukaryotische
Algen, welche sowohl im Salz- als auch im Süßwasser weit verbreitet
sind. Sie spielen eine entscheidende Rolle bei der CO2-Fixierung
und im SiO2-Kreislauf der Weltmeere. Abgesehen von ihrer ökologischen
Bedeutung sind sie vor allem bekannt wegen der Vielfalt ihrer wunderschönen,
regelmäßig mikro- und nanostrukturierten Schalen. Diese Mustergebung
ist artspezifisch und wird bei jeder Zellteilung exakt an die Tochterzellen
vererbt. Diatomeenschalen bestehen zum Großteil aus amorphem hydratisierten
SiO2. Darüber hinaus wurden aber noch andere, organische
Bestandteile in der Schale identifiziert, welche eng an das anorganische
Material gebunden sind. Von diesen Verbindungen wird angenommen, dass
sie eine Schlüsselrolle bei der Entstehung der hoch strukturierten
Zellwände einnehmen. Dies, sowie auch viele andere Prozesse des Silikat-Stoffwechsels
der Zelle, sind jedoch noch nicht ausreichend untersucht und in weiten
Teilen unverstanden.
Im Rahmen dieses Projekts arbeiten wir mit der Professur
für Allgemeine Biochemie (Prof. Dr. Karl-Heinz van Pée)
zusammen. Vor allem moderne Methoden der Festkörper-NMR-Spektroskopie
zur Untersuchung ganzer Diatomeenzellen und deren Schalen werden
eingesetzt, um einerseits einen Einblick in den Silikat-Metabolismus
der Zelle zu gewinnen, als auch beteiligte organische Komponenten
und deren Rolle im Prozess der Biomineralisation zu identifizieren.
Zum Beispiel wurde das Clusterverhalten von Polyaminen (PA), welche
in den Zellwänden von Diatomeen vorkommen, durch P-31-NMR-spektroskopische
Messungen näher untersucht. Aus der Entwicklung von chemischer
Verschiebung und Linienbreite lässt sich schließen, dass
Phosphat an PA binden kann und sich dadurch PA-Cluster ausbilden.
Es wird angenommen, dass die Ausbildung dieser Aggregate eine entscheidende
Rolle bei der Silifizierung und Formgebung der Zellwände von
Diatomeen spielen.
|